Schon gewusst…?

 

…, dass ein Tampon kein Verhütungsmittel ist?

Jugendliche sind in der Pubertät mit vielen Fragen und Unsicherheiten konfrontiert – besonders wenn es um Sexualität und Partnerschaft geht.

Unter Jungs kursieren verschiedene Gerüchte und Spekulationen darüber, wann MANN das erste Mal Sex gehabt haben muss, was Mädchen an Jungs toll finden oder ob die Größe des Penis‘ wirklich entscheidend ist um eine Frau zu befriedigen.

Während für Mädchen und werdende Frauen Frauenärzte und -Ärztinnen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, gestaltet sich die Auswahl an seriösen Informationsquellen für Jungs schon weitaus schwieriger. Zwar können sie Antworten auf offene Fragen an verschiedenen Stellen finden, jedoch stellen einzelne Medien Sexualität oft einseitig dar und reduzieren das komplexe Thema einzig auf den Geschlechtsverkehr.

In dem unten verlinkten Film werden verschiedene Aspekte dieses Themenbereiches behandelt, die wichtigsten Fragen beantwortet und mit einigen Halb- bzw. Unwahrheiten aufgeräumt.

Hier geht’s zum Film: SEX, WE CAN?!

 

Bei offenen Fragen und Unsicherheiten rund um diesen Themenbereich steht das Team des Jungenbüros Nürnberg selbstverständlich als Ansprechpartner zur Verfügung!

 

Auf dem YouTube-Kanal „Jungensprechstunde“ klärt Prof. Dr. Joachim Steffens zu Fragen über Körper, Pubertät und Sexualität medizinisch kompetent auf.

Hier geht’s zum YouTube-Kanal

 

…, dass in Deutschland ca. 10 % Jungen als Kinder beschnitten werden?

Bei einer Beschneidung, die medizinisch als Zirkumzision bezeichnet wird,  wird die Vorhaut des Penis, die ca. 50% der gesamten Haut des Penis ausmacht und äußerst empfindlich für sexuelle Stimulation ist, operativ entfernt. Zusätzlich wird dadurch die Eichel freigelegt, die sonst von der Vorhaut bedeckt ist und wie die innere Vorhaut ein sogenanntes reizempfindliches Innengewebe als Hautoberfläche hat. Die andauernde Reizung (bspw. an der Unterwäsche), die dies zur Folge hat, führt zur Bildung zusätzlicher Hautschichten auf der Eichel, wodurch diese weniger empfindlich wird. Das bedeutet, dass beschnittene Jungen und Männer beim Masturbieren und auch beim Geschlechtsverkehr weniger Lust empfinden können als unbeschnittene Männer. Durch die Beschneidung ist in den meisten Fällen keine verschiebbare Haut am Penis mehr vorhanden. Somit kann Masturbation nur mehr durch direkte Stimulation am Penisschaft bzw. Eichel erfolgen, was für manche Jungs und Männer nur mit Hilfe von z.B. Gleitgel schmerzfrei möglich ist. Die betroffenen Jungs sind zum Zeitpunkt der Beschneidung oft so jung, dass sie nicht  verstehen können, welche Folgen die Beschneidung haben kann. Die Erwachsenen entscheiden darüber und der Junge wird nicht genau aufgeklärt oder gefragt.

Wachsen die Jungen dann heran, wird von den Erwachsenen oft nicht mit ihnen darüber gesprochen, dass sich durch die Beschneidung ihr Penis erheblich und irreversibel – und das nicht nur im Aussehen – verändert hat und dies eine Verminderung der Sensibilität mit sich brachte. Die Jungen kennen sich und ihr Erleben nicht anders und nehmen es hin, wie es ist.

Die Beschneidung von Jungen oder jungen Männern ist in vielen verschiedenen Kulturkreisen weit verbreitet. In den USA werden aktuell beispielsweise 50 % aller männlichen Neugeborenen beschnitten – allerdings mit konstant fallender Tendenz.

Es gibt auch religiöse oder traditionelle Gründe für eine Beschneidung von Jungen. Auch in diesem Fall wird der Junge nicht um sein Einverständnis gebeten, da die Erwachsenen für ihn entscheiden. Diese Praxis begründet sich vor allem auf Traditionen und Bräuchen, nicht so eindeutig hingegen  auf religiösen Geboten. Während im Koran, dem heiligen Buch der Muslime, keine konkrete Aussage zum Thema Beschneidung getroffen wird, widersprechen sich unterschiedliche Textstellen in der Thora. Es gibt also für gläubige Muslime oder Juden einen Interpretationsspielraum und es bleibt den Eltern überlassen, sich für oder gegen die Beschneidung ihrer Söhne zu entscheiden. Da jedoch Traditionen und Bräuche eines Volkes immensen Einfluss auf deren Menschen haben, wird von dieser Entscheidungsmöglichkeit oft kein Gebrauch gemacht.

Beschneidungsbefürworter argumentieren auch mit einer angeblich verbesserten Genitalhygiene bei Beschnittenen oder einer möglichen Prävention von Geschlechts- oder Infektionskrankheiten und versuchen so, den Eingriff medizinisch zu legitimieren. Entsprechende Studien sind aber unter Wissenschaftlern sehr umstritten. Auch ein beschnittenes Glied muss regelmäßig gründlich gereinigt werden und einen wirksamen Schutz gegen Geschlechtskrankheiten bietet ausschließlich die sorgfältige Benutzung von Kondomen. Im Falle einer medizinisch zu behandelnden Vorhautverengung ist eine Beschneidung nur in äußerst seltenen Fällen wirklich notwendig. Oft kann schon mit Salben eine deutliche und ausreichende Verbesserung erzielt werden. Sofern keine Beschwerden auftreten, ist es bis in die Pubertät hinein sowieso völlig normal, wenn sich die Vorhaut noch nicht zurückziehen lässt.

Eine Beschneidung ist immer ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Beschnittenen. Der Eingriff hat Auswirkungen auf die Stimulierbarkeit des Penis und damit auf die sexuelle Entwicklung. Die Folgen begleiten die Betroffenen ein Leben lang.

Es gibt zwar Verfahren, mit denen die verbliebene Haut des Penis durch Dehnung verlängert werden kann, um die entfernte Vorhaut teilweise wiederherzustellen bzw. zu ersetzen. Damit können die verbliebenen Teile des ehemaligen Innengewebes des Penis, also die Eichel und gegebenenfalls Reste des inneren Vorhautblattes, unter Umständen wieder deutlich an Empfindungsfähigkeit zurückgewinnen. Die mit der Vorhaut entfernten zahlreichen hochempfindlichen Nervenenden bleiben aber unwiederbringlich verloren. Ganz abgesehen davon, dass den betroffenen Jungen sowohl die Kenntnisse, als oft auch der Mut fehlen, sich bei Fachleuten (z.B. Urologen), danach zu erkundigen oder mit vertrauten Personen darüber zu sprechen. Die Jungen werden mit den Folgen der Beschneidung allein gelassen.

Wenn Du Fragen zu diesem Thema hast, kannst Du gern mit uns sprechen. Es geht um Dich und Deinen Körper und Du hast das Recht, dazu Fragen zu stellen.

Auf unserer Homepage(Infos/Themen/Links) findest Du auch einen Link zum Thema. Dort kannst Du Dir weitere Informationen unter http://beschneidung.die-betroffenen.de/ oder http://beschneidungsforum.de  holen. Es gibt vom Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte eine interessante Broschüre zum Thema, die Du hier herunterladen kannst: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Broschueren_Dr._B._Stier/Bvkj-com-0161_Vorhautbrosch.pdf.